Um das Languedoc-Roussillon ranken sich so manche Märchen und Legenden. Die Schauplätze der Geschichten sind sowohl weltberühmte Stätten als auch entlegene Gegenden. Wer will, kann sich ja auch die Suche machen – vielleicht treffen Reisende ja auch auf Geister.

Die magische Kurve bei Lauriole vor den Toren des mittelalterlichen Dörfchens Minerve (Departement Aude), einem der schönsten Dörfer Frankreichs, ist ein sonderbares Phänomen. Eine Straße führt scheinbar bergauf. Lässt man jedoch ohne zu bremsen sein Auto rollen, so muss man feststellen, dass man bergab fährt.

Für diese seltsame Erscheinung gibt es mehrere Erklärungen: unbekannter magnetischer Effekt, extraterrestrische Intervention oder gar Hexenwerk oder einfach eine besondere Landschaftsform, alles wurde in Betracht gezogen. Spezialisten haben sich mit der Kurve beschäftigt, ohne eine Lösung zu finden. Gut möglich, dass es sich einfach nur um eine optische Täuschung handelt, was all diejenigen, die etwas Fantastisches dahinter vermuten, sicherlich enttäuschen wird. Bis heute gibt es keine plausible Erklärung für die Straße, die gleichzeitig bergauf und bergab führt.

Die Dame Caracas:
Nachdem Kaiser Karl der Große Anfang des 7. Jahrhunderts nach einer Erstürmung durch die Sarazenen die Stadt Carcassonne (Departement Aude) aufgeben musste, übernahm ein moslemischer Prinz die Stellung: Prinz Balaach. Während dieser mit seinen Rittern die Weizenernte vor den Toren der Stadt einholen wollte, wurde er von der ersten Salve der Truppen Karls des Großen getroffen und getötet. Seine Frau, die Dame Carcas, übernahm daraufhin das Kommando und führte die Armee ihres Mannes gegen die Feinde an.

Die Belagerung dauert fünf Jahre. Während dieser Zeit gingen die Vorräte in der Stadt bedrohlich zur Neige. Ein kleines Schwein und ein wenig Weizen verblieben als einzige Nahrung. Die Dame Carcas aber hatte eine List: Sie fütterte das Schweinchen mit der letzten Ration Weizen fett und warf es über die Festungsmauer. Angesichts dieser Geste beschloss Karl der Große, die Belagerung aufzugeben. Um eine Stadt zu kämpfen, in der selbst nach fünf Jahren noch ausreichend Nahrung vorhanden ist, um seine Feinde damit zu verhöhnen, erschien ihm aussichtslos. Nachdem Karl der Große sich mit seinen Truppen von der Stadt entfernte, ließ die Dame Carcas die Trompeten ertönen und bot Karl den Frieden an. So kam die Stadt zu ihrem Namen: „Carcas sonne“ bedeutet soviel wie „Carcas läutet (zum Frieden)“.

Die Teufelsbrücke ist eine der ältesten romanischen Brücken Frankreichs. Dieses Bauwerk, welches eines der engsten Abschnitte des Hérault-Tales flussabwärts des Dorfes Saint-Guilhem-le-Désert (Departement Hérault) überspannt, wurde im Jahr 1036 fertiggestellt. Damals trug sie noch den Namen „Brücke über den schwarzen Schlund“, da sie in 15 Metern Höhe die dunklen Tiefen des Flusses überragt. Sie sei angeblich von Mönchen der Klöster Aniane und Gellone erbaut worden. 

Eine Legende über die Brücke spricht dem Teufel höchstpersönlich eine Mitwirkung am Brückenbau zu. Jede Nacht riss er die tagsüber mühsam von Mönchen errichteten Steine wieder nieder, sodass sie jeden Tag neu beginnen mussten. Verdrossen von der ständigen Zerstörung schlossen die Mönche einen Pakt mit dem Teufel. Unter der Bedingung, dass dieser von nun an mit der nächtlichen Verwüstung aufhöre, solle er die erste Seele bekommen, die die Brücke überquere. Der Teufel war einverstanden. Als die Brücke fertig war, tauften die Mönche einen Hund und schickten ihn über die Brücke. Wütend über die Täuschung stürzte sich der Teufel anschließend von der Brücke und fiel in den schwarzen Schlund des Hérault, wo er noch heute leben soll.

Mittlerweile hat man keine Angst mehr vor dem Fluss, man badet sogar darin, meidet allerdings bewusst die dunklen Tiefen. Auch Saint Guilhem-le-Désert zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs.

Gehört mit seinen engen Gassen und bunten Schildern zu den schönsten Orten Frankreichs: St.-Guilhem-le-Desert (Foto: acw)

Die mysteriöse weiße Frau: Am 20. Mai 1981 waren vier junge Leute im Alter zwischen 17 und 25 Jahren aus Montpellier in der Nähe der Küste unterwegs. Auf dem Heimweg gegen 0.30 Uhr nahmen sie kurz vor der Brücke Quatre-Canaux (Departement Hérault) eine zirka 50jährige Anhalterin mit, die eine Regenjacke und einen weißen Schal trug. Sie schlugen vor, sie bis nach Montpellier mitzunehmen. Die Frau antwortete nicht, sondern nickte nur und setzte sich auf die Rückbank des Wagens zwischen die anderen Insassen. Während der gesamten Fahrt sprach die Anhalterin kein Wort. Nach wenigen Kilometern schrie sie plötzlich „Vorsicht, Kurve! Vorsicht, Kurve!“. Der Fahrer nahm erschrocken den Fuß vom Gas und durchfuhr die Kurve ohne Probleme. 

Doch nun waren es die Insassen, die schrien, denn die mysteriöse Frau war aus dem Wagen verschwunden, obwohl alle Türen geschlossen waren und das Auto immer noch eine Geschwindigkeit von 90 Kilometern pro Stunde hatte. Die Polizei konnte später die Geschichte kaum glauben, auch die Untersuchung des Ortes, an dem die Frau verschwunden war, brachte keine Ergebnisse. An der Glaubhaftigkeit der jungen Leute bestand allerdings auch kein Zweifel.

Seit diesem unerklärlichen Zwischenfall gilt die Zeit um Mitternacht als Geisterstunde. Die Orte, an denen die weiße Frau und andere Phantome erschienen sind, sind überall in der Region zu finden. Sie sind meist in der Nähe von Straßenkreuzungen oder Brücken, die traditionell von übernatürlichen Wesen aufgesucht werden, da diese Orte den Übergang vom Diesseits zum Jenseits bilden.

Das Mysterium des Sarkophags von Arles-sur-Tech
Sarcophag von Arles-sur-TechDas heilige Grab von Arles-sur-Tech (Pyrenées Orientales) ist ein altes schweres Marmorgrab unter freiem Himmel in einem kleinen Hof, am Fuße einer 12 Meter hohen Mauer. Seine Ursprünge gehen auf das vierte Jahrhundert zurück. Der Deckel dieses Sarkophags ist genauso dick wie die Seitenwände des Grabes und liegt nicht ganz exakt auf. An mindestens drei Stellen kann man seine Finger unter den Deckel schieben. Der Sarkophag selbst ruht nicht auf dem Erdboden, sondern auf zwei Marmorblöcken. Jeden Tag vollzieht sich am Grab ein wundersames, unerklärliches Phänomen: Der Sarkophag füllt sich mit einer nicht unbedeutenden Menge Wasser. Es kommt sogar vor, dass der Steinsarg überläuft. Pro Jahr produziert er eine Menge von rund 800 Litern. Anscheinend liegt keine Täuschung vor, aber es existiert auch kein Rohrsystem oder irgendeine andere Form der Auffüllung. Ein Wunder also?

acw/Atout France

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