Kultur, Kunst und Kitsch – Kopenhagen bietet für jeden Geschmack das Richtige. Bei einem Kurztrip in die südlichste Stadt Skandinaviens können fast schon mediterrane Gefühle aufkommen.

Kopenhagen hat viele Gesichter: Weil viele Kanäle die Stadt durchziehen, wird es oft als „Venedig des Nordens“ bezeichnet; ein Großteil der Häuser stammt aus der Zeit des Neoklassizismus; jährlich findet ein Jazz-Festival statt; hier steht die modernste Oper Dänemarks sowie der älteste Vergnügungspark und die Metropole an der Ostsee ist Ziel zahlreicher Kreuzfahrer. Dänemarks Hauptstadt hält also für jeden Besucher etwas bereit. Es bietet sich an, in Stadtnähe abzusteigen, denn in Kopenhagen sind so gut wie alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichbar.

Zwischen Bahnhof und Radhausplatz liegt das Tivoli – einer der ältesten noch existierenden Vergnügungsparks der Welt. Entlang der ehemaligen Stadtmauer ließ König Christian der VIII. den Park bauen, der 1843 eröffnet wurde. Heute können Jung und Alt rund 23 Fahrgeschäfte besuchen – darunter Achterbahnen, Riesenräder und das 80 Meter hohe Kettenkarussell Star Flyer. Außerdem gibt es ein Aquarium sowie zahlreiche Bühnen, auf denen Theater, Konzerte, Comedy oder Pantomime aufgeführt werden.

Nicht nur im Tivoli auch in den Mauern des Parks befinden sich insgesamt 37 Restaurants. Vom Amerikanischen Fast Food im Hard Rock Cafe über die roten Pølser bis zur Haute Cuisine lässt sich hier alles genießen.
Besonders empfehlenswert ist ein Besuch des Tivoli am Abend. Dann wirken die Gebäude des Parks mit ihren 110.000 Glühlampen wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Um den Besuchern dieses Spektakel so lange wie möglich näher zu bringen, hat der Park am Wochenende deshalb auch bis spät in die Nacht auf. Weitere Infos gibt es auf der Webseite des Tivoli: www.tivoli.dk

Um das ein oder andere Souvenir und einen Blick auf den Modetrend von morgen zu ergattern, lohnt sich ein Bummel über den „Strich“. Die Strøget ist die Haupteinkaufsstraße der Stadt, die sich vom Rathaus und dem Tivoli bis zum Kogens Nytorv und dem angrenzenden Nyhavn zieht. Rechts und links kann man noch einen Blick auf Sehenswürdigkeiten werfen wie dem ältesten Platz der Stadt, dem Gammeltorv mit dem aus der Renaissance stammenden Caritasbrunnen, der Helligåns-Kirche mit ihrem Bücherantiquariat, das älteste Kaufhaus Skandinaviens, das Magasin du Nord, oder die Neu-Renaissance Architektur des Kongelige Teater.

Nur bei Sonnenschein ratsam: Eine Stadtrundfahrt mit dem offenen Ausflugsboot. (Foto: acw)

Wer sich das Gedränge und den Trubel ersparen möchte, kann – ebenfalls am Tivoli startend – die alternative Route am Wasser einschlagen. Hier kann der Besucher einen ersten Eindruck von der Vielschichtigkeit Kopenhagens bekommen: Der Weg führt vorbei am historischen Brauhaus, der Schlossinsel Slotsholmen mit dem Sitz des dänischen Parlaments und unter dem gläsernen Bau der Königlichen Bibliothek hindurch. Diese trägt aufgrund ihrer angeschrägten Fassade aus schwarzem Marmor den Namen „Schwarzer Diamant“. Seinem Spitznamen gerecht wird das 1999 eröffnete Gebäude jedoch nur wasserseitig, wo sich die Besichtigungsboote beim Vorbeifahren spiegeln. Eindrucksvoll ist auch die alte Börse – eines der imposantesten Renaissance-Bauten der Stadt. Vor allem lohnt sich ein Blick zur Turmspitze mit den vier ineinander verschlungen Drachen.

Endpunkt beider Wege sollte auf jeden Fall Nyhavn sein. Ein Kaffee oder ein kühles Bier in einem der zahlreichen Straßencafes ist ein Muss für jeden Kopenhagen-Besucher – auch wenn Plätze insbesondere an sonnigen Tagen schwer zu bekommen sind. Aber der Blick auf die schmucken Häuser, hier festgemachte Boote – wie das alte Feuerschiff „Gedser-Riff“ im Museumshafen – und vorbeiziehenden Touristen entschädigt auch für erhöhte Preise. Besonders Highlight: Während des Jazz-Festivals im Sommer klingen die Rhythmen mehr oder weniger bekannter Bands zu den Sitzenden hinüber und lassen in der südlichsten Stadt Skandinaviens so etwas wie Mittelmeer-Flair aufkommen. Von hier aus lohnt sich auch ein Abstecher in die Toldbodgade, die parallel zum Wasser gen Amalienborg führt. Hier finden sich nette Kunsthandwerk- und Antiquitätenläden.

Ganz schön bunt: Der „neue Hafen“ ist eine der bekanntesten Touristenattraktionen in Kopenhagen. (Foto: acw)

Im Nyhavn liegt eine der beiden Stationen für Hafen- und Kanalrundfahrten. Die Boote ohne Reiseführer können als Hop-on-Hop-off-Busse gen Holmen zur neuen Oper und gen Fisketorvet mit Ausstiegsmöglichkeit an der Bibliothek oder in Amangerbro genutzt werden. Zu empfehlen sind jedoch die geführten Touren – vor allem um einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten der 1,8 Millionen-Metropole zu bekommen. So fährt das Schiff auch an dem Freistaat Christiana vorbei und besucht das dicht mit Segelschiffen, Yachten und Hausbooten besiedelte Christianshavn. Zu empfehlen sind diese Touren allerdings nicht bei Regen. Die Boote besitzen kein Dach, da sie sonst unter den oft sehr tief liegenden Brücken über den Kanälen nicht hindurch passen würden.

Ganz schön klein: Touristenmagnet „Kleine Meerjungfrau“. (Foto: acw)

Wem ein kurzer Blick auf die berühmteste Statue der Stadt vom Boot aus nicht reicht, der muss sich etwas aus dem Zentrum hinaus bewegen. Die Kleine Meerjungfrau – mit 125 Zentimetern nicht nur dem an Hans-Christian Andersens Märchenfigur angelehnten Namen nach wirklich klein – ist das meistbesuchte Wahrzeichen Kopenhagens. Den Versuch ein Foto ohne fremde Menschen darauf zu schießen, sollten Touristen mit dem Besuch der Amalienborg – Residenz der königlichen Familie – und der Marmor- oder Frederikskirken mit ihrer Kuppel, die eine der höchsten in Europa ist, verbinden. Angrenzend liegt das Kastellet. Die 300 Jahre alte, barocke Festungsanlage gilt als grüne Oase der Stadt. Von der Kleinen Meerjungfrau sind es dann nur noch ein paar Schritte zum Kreuzfahrer-Hafen, wo man von der Promenade aus die Luxusliner aus aller Welt bewundern. Wer sich auf die Suche nach dem hier ansässigen Outlet Center macht, sollte nicht zu viel erwarten. Die etwa einen Dutzend kleinen Geschäfte befinden sich direkt vor dem Kreuzfahrer-Ausgang, sind ausgesucht und haben wenig Auswahl. Die günstigste Reisezeit ist übrigens Juni bis September, da es dann am wärmsten ist; im Juni regnet es zudem durchschnittlich nur an zwölf Tagen im Monat.

Ann-Christin Wimber

Einen Blog-Beitrag zu Kopenhagen mit Kindern findet ihr hier.

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