Jeden Mittag rollt die Welle heran. Sie überflutet die Insel, breitet sich aus und fließt pünktlich um 15 Uhr wieder ab. Bis dahin breitet sich die Besucherflut aus, drängt sich durch die kleinen Gassen und quillt aus den zahlreichen Duty-Free-Läden des Lung Wai, wie die Haupteinkaufsstraße auf Helgoland heißt. Auch vor der Eisdiele bilden sich lange Schlangen, in der kleine Inseleisenbahn ist plötzlich kein Platz mehr zu ergattern und alle Hummerbuden haben ihre bunten Türen weit geöffnet.

Das charmante, einheimische Helgoland erlebt der Besucher jedoch erst am Nachmittag. Wenn die letzten Tagesgäste eingebootet sind – das heißt, mit den Börtebooten zu ihren Ausflugsschiffen zurückgebracht wurden – wird es friedlich. Die Helgoländer sitzen fast alleine in den Straßencafes am Lung Wai. Die Kinder können wieder ungehindert Roller fahren. Alles andere ist hier nämlich verboten – Unfallgefahr. Nur die Polizei besitzt ein Dienstfahrrad. Allerdings gibt es Ausnahmegenehmigungen für Elektroautos. Die sind mittlerweile recht verbreitet auf der ein Quadratmeter großen Insel. Auf der Straße zum Hafen herrscht fast schon großstädtischer Verkehr, so dass Spaziergänger nicht ohne umsichtiges Blicken nach links und rechts an den Spielplatz oder den Strand gelangen. Es gibt zwei Strande auf Helgoland: den Südstrand am Hafen und den Nordstrand am anderen Ende der Insel. Hier ist jedoch die Brandung so stark, dass das Baden hier untersagt ist.

Nordstrand: Wunderschöner, weißer Strand – leider ist Baden nicht erlaubt. (Foto: acw)

Die Badeinsel der Einheimischen ist die Düne. Auf diese vorgelagerte Insel gelangen Badefreunde per Dünenfähre. Hierher kommen die wenigsten Tagesbesucher. Trotzdem hätten sie hier viel Platz: Ein Handtuch auf den breiten Sandstrand gelegt oder in den Strandkorb geflätzt lassen sich die spielenden und dich sonnenden Seehunde am Ufer oder die startenden und landenden Flugzeuge besonders gut beobachten. Auf der Düne liegt nämlich Helgolands Flughafen, der in der Saison hoch frequentiert ist. Seit neuestem können Besucher auch direkt auf der Düne ihren Urlaub verbringen. Wer keine Lust hat auf Pension, Ferienwohnung oder Hotel, kann sich ein rotes, gelbes oder blaues Holzhäuschen mieten.

Erstere stehen auf der Hauptinsel zu Hauf zur Verfügung. Aus 2.200 Bettenangeboten kann der Besucher wählen. Sowohl auf dem Unter- als auch auf dem Oberland kann man sich für die Dauer des Urlaubs einmieten. Das Oberland ist etwas ruhiger. Hier gibt es zwar auch Geschäfte, aber die Hauptattraktion ist der grasbewachsene Plateau mit den zahlreichen Senken. Diese entstanden, als die Engländer während des zweiten Weltkriegs versuchten, die Insel durch Bomben wieder im Meer verschwinden zu lassen. Der Pfad an der Kante der Insel führt vorbei an den Lummenfelsen. Hier brüten die Seevögel an den steilsten Stellen ihre schwarzen Küken aus. Im Frühsommer lädt die Kurverwaltung sogar zum so genannten Lummensprung ein, wenn die Jungvögel den Absprung in die Selbstständigkeit wagen. Natürlich sieht man von hier aus auch das Wahrzeichen der Insel: die Lange Anna. Nach „oben“ kommt der Besucher übrigens per Fahrstuhl – oder über drei Treppen mit 260 Stufen.

Südstrand & Landungssteg: Shopping, Baden und Schauen auf Helgoland (Foto: acw)

Wer Helgoland lieber von innen sehen will, der sollte an den Bunkerführungen teilnehmen. Diese werden sogar im Winter angeboten. Allerdings muss eine Gruppe von 10 Personen zusammenkommen, damit diese stattfinden können. Zudem bieten die so genannten Themenwege Wanderern ein abwechslungsreiches Programm. Der „Kulturweg“ und der “Geschichtsweg“ liefern Bewegung in Kombination mit Informationen zur erlebnisreichen Kultur – vom Vogelkundler Heinrich Gätke über James Krüss bis zur „Helgoländer Farbpalette“ des Malers Johannes Ufer – oder zur Geschichte der Insel aus rotem Bundsandstein.

Der „Naturweg“ führt Ausflügler über 13 Stationen durch teilweise unberührte Flora und Fauna. Dazu gehört auch das Naturschutzgebiet „Helgoländer Felssockel“, einem der größten Schleswig-Holsteins. Das Felswatt präsentiert sich als außergewöhnlicher Lebensraum mit einer großen Artenvielfalt. Darunter Algen, Fische, Vögel und Pflanzen, von denen einige nur in diesem Biotop vorkommen. Auch einen Wald gibt es – wenn auch nur auf einer Schautafel – zu besichtigen: Der Laminaria-Wald ist der größte Braunalgen-Wald in der Deutschen Bucht und bietet zudem rund 400 verschiedene Algenarten und Felsengärten aus Blumentieren.  Wer noch mehr Natur will, kann sich auf die beiden Naturlehrpfade auf der Düne begeben. Hier erfahren Besucher unter anderem etwas über Sanddorn, versteinerte Meeresbewohner, Möwen oder auch über den Küstenschutz.

Ann-Christin Wimber

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