Der Wind weiß nicht, dass er entschleunigen soll. Er weht ungebremst über die Nordsee-Insel. Kommt er von Süd oder Nord fegt er kurz über das 600 Meter breite Eiland; kommt er aus Ost oder West, streicht er über den 17 Kilometer langen Strand. Das stetige Geräusch des Windes und das Rauschen der Wellen ist ein stetiger Begleiter auf Juist – vor allem am Strand auf der Nordseite der Nordseeinsel. Hier, wo Juist seine breite, sandige Seite in die Nordsee streckt, hebt er Lenkdrachen in die Höhe und freut sich über das Lachen der Kinder; er wühlt die Nordsee auf und gestaltet weiße, schäumende Hauben auf die Wellen. Er kann auch säuseln, für Abkühlung auf der sonnengebräunten Haut sorgen und den Geruch von sommerwarmem Sand zu den Sonnenanbetern bringen.

Der Strand von Juist (Foto: A. Wimber)

Auf der Südseite, wo sich die Flanke der Insel Richtung Festland erstreckt, beherrschen andere Geräusche die autofreie Idylle: Austernfischer und Gänse bekunden lautstark ihre Gebietsanspruch oder etwaige Landemanöver. Tag und Nacht. Ihre Rufe dringen durch die Gassen des Ortsteils Loog, begleiten den Radfahrer auf seiner Fahrt zur Domäne Bill, wo er auf der Terrasse sitzen und Rosinenstuten genießen möchte. Sogar beim Wandern durch die scheinbar verwunschenen und oft dunklen Wäldchen des Zauberlands, der Töwerlands wie Juist auch genannt wird, mischen sich Austernfischerrufe unter das Säuseln des Windes und den Gesang der Gartenvögel.

Der östlichste Zipfel der Insel blickt Richtung Nordstrand. Am Kapfama und ganz im Westen, am Billriff, ist die Stille und das dauerhafte Anbranden der Wellen allgegenwärtig. Hierher verlaufen sich oft nur wenige Menschen. Vor allem bei Sturm gehört der Strand nur den tobenden Windmassen und den Seevögeln.

Juist am Billriff (Clip: A. Wimber)

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