Die Corona-Pandemie trifft die Tourismus-Unternehmen ebenso hart wie Bäcker, Büroangestellte und Bürger. Kreuzfahrthäfen weltweit haben bereits den Beginn der Saison verschoben. In Deutschland gab Kiel am 12. März bekannt, dass der Erstanlauf der Viking Cruise und damit der Start der Kreuzfahrtsaison zunächst bis Ende April verschoben werde. Warnemünde folgte rund eine Woche später. „Aufgrund der aktuellen Situation durch die Infektionskrankheit Covid-19 ist derzeit nicht klar, wann, ob und welche Kreuzfahrtanläufe im zweiten Quartal dieses Jahres stattfinden können“, teilte der Rostocker Hafen t-online mit. In den USA haben Kreuzfahrtreedereien wie Carnival, Royal Caribbean, Norwegian und Celebrity wegen der COVID-19-Pandemie den Betrieb von und nach US-Häfen für 30 Tage eingestellt, teilte die Cruise Lines International Association (CLIA) mit. 

Auch Italien und Spanien verbieten das Anlegen von Kreuzfahrtschiffen, ebenso wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Malaysia, die Malediven, Sri Lanka, Südkorea und Taiwan. Auch Kreuzfahrten nach Israel sind praktisch vom Tisch, da das Land nun alle Besuchern bei ihrer Ankunft zu einer 14-tägige Quarantäne verpflichtet.

Bekommt ich mein Geld zurück?
USA-Today schreibt dazu:
Norwegian bietet den Passagieren eine volle Rückerstattung für Kreuzfahrten während der 30-tägigen Sperrzeit oder eine zukünftige Kreuzfahrtgutschrift von bis zu 150prozentigen des Wertes der stornierten Kreuzfahrt, die bis zum 31. Dezember 2022 genutzt werden kann. Rückerstattungen würden innerhalb von 90 Tagen gutgeschrieben. Ein Rückerstattungsformular ist ab dem 23. März auf der Website des Unternehmens verfügbar. 

Royal Caribbean bietet den Passagieren eine volle Rückerstattung für Kreuzfahrten während des betroffenen Zeitraums an. Die Passagiere haben bis zum 31. Dezember 2021 Zeit, eine vollständige Rückerstattung zu beantragen. Diese wird innerhalb von 30 Tagen gutgeschrieben. Diejenigen, die eine Rückerstattung wünschen, müssen ein Formular ausfüllen, das auf der Website von Royal Caribbean oder telefonisch erhältlich ist. Passagiere während des betroffenen Zeitraums können auch ein zukünftiges Kreuzfahrtguthaben von 125% beantragen, das jederzeit bis zum 31. Dezember 2021 genutzt werden kann. Passagiere, die die Gutschrift beantragen, erhalten sie am 13. April per E-Mail.

Carnival bietet entweder eine vollständige Rückerstattung oder eine 100%ige zukünftige Kreuzfahrtgutschrift mit einer Bordgutschrift von 300 oder 600 Dollar pro Kabine, je nach Länge der Kreuzfahrt. Die Passagiere haben bis zum 31. Dezember 2020 Zeit, um eine Auswahl zu treffen, danach wird automatisch ein zukünftiges Kreuzfahrtguthaben gewährt. Künftige Kreuzfahrten müssen vor dem 31. Dezember 2022 durchgeführt werden.

Princess bietet Passagieren Rückerstattungen und zukünftige Kreuzfahrtguthaben an. Kreuzfahrtguthaben können für alle Fahrten bis zum 1. Mai 2022 verwendet werden. Rückerstattungen werden in Höhe von 25 Prozent bis 100 Prozent des ursprünglichen Kreuzfahrtwertes gewährt – je nachdem, wann die erstattete Kreuzfahrt gestartet wäre. Diejenigen, die sich dafür entscheiden, ihre Rückerstattung als zukünftiges Kreuzfahrtguthaben und nicht als Bargeld zu verwenden, erhalten zusätzlich einen Bonus von 25 Prozent des zukünftigen Kreuzfahrtguthabens.

Celebrity Cruise gewährt den betroffenen Passagieren automatisch eine 125prozentige Gutschrift für zukünftige Kreuzfahrten. Passagiere, die eine Rückerstattung wünschen, sollten das Unternehmen anrufen oder ein Online-Formular ausfüllen. Künftige Kreuzfahrtguthaben müssen bis zum 31. Dezember 2021 verwendet werden.

Viking wird den betroffenen Passagieren volle Rückerstattungen oder einen 125prozentigen zukünftigen Kreuzfahrt-Gutschein ausstellen, der innerhalb von 24 Monaten eingelöst werden muss. Passagiere, die den Gutschein nicht nutzen, erhalten nach Ablauf des Gutscheins eine Rückerstattung in Höhe des ursprünglichen Kreuzfahrtwertes. Die Gutscheine seien vollständig übertragbar, sagte das Unternehmen.

Disney Cruises wird den Passagieren auf betroffenen Reisen volle Rückerstattungen oder Gutschriften anbieten. Das Unternehmen sagte, es werde sich direkt mit diesen Passagieren in Verbindung setzen, um Einzelheiten zu klären.

In Deutschland kündigte der Flusskreuzfahrtanbieter A-ROSA an, neben Kreuzfahrten auf Donau, Rhein, Seine und Rhône auch alle Kreuzfahrten auf dem Douro vorerst bis 14.04.2020 auszusetzen. Die betroffenen Gäste können kostenfrei auf einen anderen Termin in der Saison 2020 oder 2021 umbuchen und bekommen zusätzlich ein Bordguthaben in Höhe von 50 Euro pro Person geschenkt. Zudem erhalten sie eine Sonder-Ermäßigung in Höhe von 30 Prozent für eine zukünftige A-ROSA Kreuzfahrt. Für die Umbuchungsmöglichkeiten können sich Kunden sich bis zum 30.06.2020 Zeit lassen.

Auch alle AIDA Reisen wurden vorerst bis zum 03.04.2020 abgesagt. Von der Reiseabsage betroffene Kunden haben die Möglichkeit, bis 31.05.2020 auf eine neue Reise aus dem AIDA Angebot umzubuchen. Zusätzlich bietet AIDA ein Bordguthaben je nach Reiselänge in unterschiedlicher Höhe an. Des Weiteren können Reisen, die zwischen dem 16.03. bis einschließlich 31.05.2020 gebührenfrei bis drei Tage vor Abreise umgebucht werden. Aktuelle Infos auch hier.

Wie sieht deutsches Recht dazu aus?

Gemäß § 651 h Abs. 1 BGB kann bei Pauschalreisen ein Reisender vor Reisebeginn jederzeit vom Vertrag zurücktreten. Gemäß § 651 h Abs. 1 Satz 3 BGB kann der Reiseveranstalter jedoch eine angemessene Entschädigung (Stornogebühr) verlangen.

Kostenfrei ist der Rücktritt gemäß § 651 h Abs. 3 BGB aber dann, wenn es am Zielort oder in unmittelbarer Nähe zu unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen kommt, die die Durchführung der Reise erheblich beeinträchtigen oder gefährden. Hierzu gehören auch Epidemien. Eine solche Beeinträchtigung muss aber zum Zeitpunkt der Reise vorliegen oder es muss deren unmittelbarer Eintritt zu befürchten sein. Dazu gehört auch die komplette Sperrung eines Gebiets. Eine Reisewarnung der WHO, des Auswärtigen Amts oder auch des Robert Koch Instituts (RKI) können ein Indiz für das Vorliegen solcher außergewöhnlichen Umstände sein. Das RKI stuft neuerdings die unmittelbar an der deutschen Grenze liegenden Regionen Elsass und Lothringen als Risikogebiete ein.

Wichtig: Wenn der Verbraucher eine Reise aus bloßer Angst vor Ansteckung storniert, tut er dies auf eigenes Risiko und muss in der Regel eine Stornogebühr zahlen, die bei sehr kurzfristigen Stornierungen die Höhe des vollen Reisepreises erreichen können.

Hinweis: Die Reiserücktrittsversicherung zahlt nur, wenn der Reisende selbst erkrankt, nicht aber bei Angst vor Ansteckung.

https://www.haufe.de/recht/weitere-rechtsgebiete/wirtschaftsrecht/rechte-bei-corona-absagen-von-konzerten-veranstaltungen-reisen_210_511720.html

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